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Zhongdian - Deqen 189 km

Ich bin eine Stunde zu frueh! Habe gestern mal wieder nicht aufgepasst. Als ich in den Speisesaal komme ist niemand von uns da und ich bin total erschrocken! Die Bedienung beruhigt mich: "You are the 1st!" Ich setze mich auf die Terrasse, es regnet NICHT,  die Wolken haengen tief, aber sehr klare Sicht. Da ganz China nur eine Zeitzone hat - naemlich Pekingzeit - wird es hier im Westen spaet hell, aber auch spaet dunkel. Dann kommt eine Dame aus dem Speisesaal und meint zu mir: "Your friends are comming" - na DAS ist doch Service!

Wir fahren um 09.00 h los, nach einer Weile sieht man noch einmal in der Ferne das grosse Kloster mit seinen goldenen Daechern. Auf nach Xizang - "das westliche Schatzhaus", wie die Chinesen Tibet nennen. Auf den Schildern sind jetzt ueberall schon 2 Schriften - chinesisch und tibetisch - fast nie eine 3. Schrift: unsere. Im Talgrund steht das Wasser auf den Wiesen, so viel Regen die letzte Zeit. Verstreut ziehen sich einige Doerfer im Tal entlang, auf den Haengen Rinder, Ziegen, Schafe, die ersten Yaks, hier und da Pferde und schwarze Schweine mit suessen kleinen Ferkeln. 

Dann kommt der Guide auf die Idee ein tibetisches Bauernhaus anzuschauen. Er spricht mit ein paar Bauern am Wegesrand und los gehts - man stelle sich vor, was eine deutsche Hausfrau sagt, wenn ein chinesischer Reiseleiter an der Tuer klingelt und 10 Tibeter wollen mal eben das Haus besichtigen!!! Das Anwesen ist von einer Mauer umgeben, im Innenhof Matsch, aber bei dem Regenwetter... Der Hofhund bellt aufgeregt und wir steigen eine Stiege hoch. Im Untergeschoss sind die Tiere untergebracht. Es ist ein solides Haus, weiss verputzt. In der 1. Etage sind wir erst einmal auf einer Terrasse, von hier gahen 3 Tueren ab und eine Stiege ins Dachgeschoss, dass luftig ist. Dort lagern Heu, Stroh, Holz und Vorraete - wir gehen durch die mittlere Tuer durch einen kleinen Vorraum in die grosse, gemuetliche und sehr aufgeraeumte, saubere Wohnkueche. Hier ist alles aus Holz, eventuell ein bisschen Dunkel. An den Waenden ein paae Regale, Haken und ein Schrank, Die Kochstelle/Herd ist im Raum, etwas seitlich, darauf simmert ein Teekessel vor sich hin. Auf der anderen Seite steht ein grosses Sofa, darueber ein Fenster. Der Bauer ist mit uns hereingekommen, im Raum ist ein Kleinkind in einem grossen Korb zwischen vielen Kissen und Decken, daneben ein Sitz-/Roll-Laufstall. Ingesamt ein prima Eindruck, SEHR gemuetlich. Sowohl im Vorraum als auch in der Kueche haengen ein paar Speckseiten zum trocknen von der Decke. Es riecht ein wenig nach Rauch und Geraeuchertem - aber eigentlich recht angenehm. Als wir im Aufbruch sind, kommt voellig aufgeloest die Frau des Hauses gelaufen ... Das Haus ist etwa 30 Jahre alt, auf dem Dach gibt es eine Solaranlage fuer warmes Wasser. Das Paar hat ausser dem 7 Monate altem Sohn noch eine 6 jaehrige Tochter - ein 2. Kind ist Minderheiten, die auf dem Lande leben gestattet! Der Hausherr bekommt einen kleinen Obulus und weiter gehts. Wir koennen beobachten, das dises wirklich ein durchschnittliches Gehoeft war, kein aermliches, aber es gibt auch viel stattlichere.

Es folgt jetzt eine schoene Fahrt durch die Berge, vorbei an einem Ski-Gebiet mit 2 Hotels und einer Piste mit Sessellift. Hier und da Wolkenfetzen, aber klare Sicht. Manchmal schaut kurz die Sonne hervor, manchmal troepfelt es ein wenig. Wir kommen hoeher und hoeher, einzelne kleine Gehoefte mit Terrassenfeldern am Hang, teilweise abenteuerlich hoch. Es folgen spektakulaere Blicke ins Tal, hier und dort ein Tschoerten. Die Strasse ist gut 2-spurig ausgebaut, der Asphalt ist makellos. Hinter einen kleinen Passhoehe stehen Opuntien in Reih und Glied - und dann - das wird unser Schicksal in den naechsten Tagen sein - wir schrauben uns in weiten Kehren den Berg wieder hinunter ... Im Talgrund ein wilder, schaeumender Nebenfluss des Jangtze. Wir fahren ueber eine grosse Bruecke und wechseln die Talseite - gegenueber ist jetzt schon Tibet, aber wir bleiben noch etwas in der Provinz Yunnan.

'Dong Feng' - 'Ostwind' - so heissen fast alle LKWs, die uns entgegenkommen, fast der gesamte Warenverkehr wird damit abgewickelt, die Fahrer sind rauhe Gesellen. Tja, und dann stehen sie und wir im Stau - nein, keine Rushhour, es ist 11.30 h vormittags - ein kontrollierter Steinschlag! Die Behoerden lassen hier regelmaessig die Haenge abklopfen, dabei saust dann einiges an Steinbrocken und Schutt hinab auf die Strasse .... Dieses Schauspiel erleben wir gerade, sehr beeindruckend das Echo, wenn grosse Wackersteine aufschlagen, wieder hochgeschleudert werden und dann mit einem satten Plumps im Fluss verschwinden. Sehr beruhigend ist, das man auf der anderen Seite des Schotterberges schon eine gelbe Planier-Raupe/Bagger (weis ich wie diese Dinger heissen?) sieht - dann kann es sich ja nur um Stunden (und nicht um Tage) handeln  :-))

Einige Damen aus dem Nachbardorf hatten gute Info-Quellen: sie haben sich mit mehreren grossen Kiepen voll Melonen am Strassenrand postiert. Der Verkauf brummt, die Fruechte werden gleich von 'Macheten' zerteilt, ein gemuetliches 'Sit-In' auf den Steinen des Fahrbahnrandes. Vorne, in der 1. Reihe ein Soldat mit Walkie-Talkie, er haelt Kontakt mit seinem Kollegen von gegenueber und dien Kumpels im Berghang - aber es gibt noch keine Entwarnung, die sind da oben noch fleissig dabei, mehr Erdrutsch und Scheinschlag zu produzieren ... (Und was machen Sie beruflich? Ich bin Erdrutscher / Steinschläger!) .

Mit uns im Stau ein Polizeiauto - VW Santana - ja haben die denn den Polizeifunk nicht gehoert ...? Sowie Touristen aus Frankreich. Korea und Japan - wir tauschen uns aus, sowohl mit Infos als auch mit Bonbons ... und dann beginnt der Bagger - aber das wird noch dauern ... In unserem Bus hat der Fahrer ein Video eingeschmissen - es ist ein ziemlich alter Bus, aber die wirklich wichtigen Teile funktionieren: 12.30 h am Arsch der Welt - na, was gibt es??? Richtig: DIE BACKSTREEET BOYS - alles was ich mir vom 'Dach der Welt' ertraeumt habe !!!

12.30 h - es geht weiter, im naechsten Ort dann erst einmal Mittagspause  ... Tofu in hoellisch scharfer Sosse, Ruehrei mit Tomatenstueckchen, Knusprig gebratenes Schweinefleisch, Wasserspinat, scharfe Auberginenschnitze, Reis, Kohlrabisuppe und Melone. Gegenueber vom Lokal ist die öffentliche Toilette, 1/2 Yuan der Eintritt - links die Damen, rechts die Herren - gar nicht so unappetitlich - aber bemerkenswert! Durch den Raum fliesst in einer gekachelten Rinne ein kleiner Bach, immer quer abgeteilt von kleinen huefthohen Maeuerchen. Man tritt mit einem Fuss ueber den Bach, hockt sich und spielt Wasserfall; das Ganze ist sehr kommunikativ, weil man ungehindert mit den Wasserfaellen vor und hinter einem kloenen kann (wenn man chinesisch kann).

Jetzt steigt die Strasse in kuehnen Kehren von etwa 2.000m auf 2.700 m an, auf einem Felsenporn liegt das Kloster Tondroling, das wir jetzt besichtigen. .........

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Weiter gehts, plötzlich steht mal wieder ein Esel mitten auf der Strasse. Siedlingen und Gehoefte kleben am Hang an den unmöglichsten Stellen, daruber und darunter Terrassenfelder. Es gibt immer mal wieder Satellitenschuesseln und Solaranlagn fuer heisses Wasser! Alle Haenge sind ueberzogen mit einem Netz von Wegen, von Haus zu Haus und fuer den 'Fernverkehr'. Dazu die Strommasten und -leitungen: a b e n t e u e r l i c h!

Wir schrauben uns hoeher und hoer, tiiief untern die Strasse auf der wir gekommen sind!. Neben der Strasse eine Wiese voller gelber und lila Schluesselblumen. Jetzt geht die Asphaltstrasse in Kopfsteinpflaster ueber, wer hat sich blos diese Muehe gemacht? Und warum? Fuer die Fahrzeuge ist dieses Geruettel bestimmt nicht toll!!! Es kommt eine mystische Stimmung auf, die Wolkenfetzen haengen tief und an den Laub- und Nadelbaeumen haengen lange Flechten und wiegen sich im Wind. Xiang telefoniert per Handy, unsere 3 Landcruiser aus Lhasa sind gegen 19.00 h in unserem Hotel in Deqen.

'Om Mani padme hum' haben die Leute auf die verdreckten Scheiben einiger Landcruiser geschrieben ... 4.100 m - wir sind auf der Passhoehe des Shola-La ... Was fuer ein Leben führen die Leute hier oben auf der Alm mit ihren Yaks in Holzverschlägen und dicken schwarzen Filz-Zelten ... Es ist kalt und ungemuetlich, die Wolken tief, ein rauher Wind und Nieselregen. Gut, das jetzt wieder Asphalt auf der Strasse liegt. Gar nicht weit, der naechste Pass. 4.292 m - Baima La (der Pass des weissen Pferdes) ... unser Motor kocht ... Wasser - schnell - es werden mal wieder 2 Flaschen  drauf gekippt. Die Tür klemmt - auch gut, dann eben Cabrio ... Was denn nun noch?

Der Fahrer ueberrascht uns mit der Feststellung: die Bremsen blockieren, wir muessen aussteigen und er will ein paar Tests fahren!!!! Vorher aber telefonieren alle 3 (Fahrer, local Guide und Xiang) mit ihren Handys wie die Weltmeiste! Was haben die blos frueher ohne Handy gemacht? Es sind noch mindestens 30 km bis Deqen. Die Meldungen ueberschlagen sich jetzt: die Agentur vom local Guide erklaert sich nicht fuer zustaendig, der Bus kommt ja schon aus Lijiang. Dem Fahrer wird gesagt, wenn ein Ersatzbus kommt, bekommt er keinen Pfennig! Xiang telefoniert mit der Notfall-Nummer in Peking, dort wird ihm versichert, es wird in Deqen ein Ersatzbus losgeschickt. Xiang ruft auch einen der Landcruisefahrer an .. Sie koennten gleich weiterfahren und uns abholen, dann waeren sie gegen 20.00 h hier - jetzt ist es 17.30 h ....

Wir haben uns erst einmal in einem kleinen Bretterverschlag gesammelt - e s   i s t    s e h r   u n g e m ü t l i c h !!! Es gibt Bier und Kartoffelchips zu kaufen, wir vernichten die Vorraete - er macht das Geschaeft seines Lebens! Man koennte Autos und Busse anhalten und sich mitnehmen lassen ... Wenn mann den Hang hinunterschaut, sieht man unseren Bus mit den 3 Chinesen und unserem gesamten Gepaeck da unten seine Bremsversuche machen. Ein Scherzkeks meint: das sind Wegelagerer, die kommen einfach nicht wieder!! Wir koennen gar nicht so richtig lachen. Herta rechnet gerade aus: 30 km - das koennte man bergab in 6 Stunden schaffen -dann sind wir Mitternacht im Hotel (Sportskanonen vielleicht, ICH nicht!).

Aber dann wendet der Bus und kommt wieder zurueck. Es bilden sich Franktionen - 'einsteigen' oder 'nicht einsteigen' - das ist hier die Frage. 'Wenn keiner von uns einsteigt, müssen sie sich etwas anderes einfallen lassen - wir müssen nur zusammenhalten' ist die eine Variante. Ich horche Dietmar aus, ich wusste, dass er Bau-Ingenieer bei der Eisenbahn - wenn der sagt es geht, dann vertraue ich darauf. Dietmar steigt ein - jede bremse kann jeder Zeit blockieren - und man weis nicht, wie der naechste Bus beisammen ist, den sie uns schicken werden ... Das klingt schluessig - ich steige auch ein. Xiang meint noch tapfer - es wird ein Bus geschickt - wir muessen nicht einsteigen - aber es ist einfach zuuu ungemuetlich auf der Passhoehe. Ganz goldig fand ich den Dialog, der dann folgte: Dieter fragte interessiert (weil wir alle auf Dietmar gehoert hatten) 'Was machst Du beruflich? Antwort: Zuckerbaecker! 

Gaanz vorsichtig geht es los, wir sind alle eingestiegen und der Busfahrer faehrt wie auf rohen Eiern. Auf der linken Seite geht es bannig tief runter, die Wolkendecke reisst gerade auf. Hinter uns die Schneeberge. Die Landschaft ist zauberhaft, wir entspannen uns langssam und genau nach einer Stunde - und 1.000 m bergab - sind wir in Deqen. Unser 2 Sterne Hotel ist recht gut - als es zu den Zimmern geht, wollen wir uns gar nicht trennen: alle 10 muessen in den Fahrstuhl hinein - so ein Erlebnis schweisst doch zusammen!

5.8.07 14:56, kommentieren



Deqen - Yanjing 112 km

Ein ganz sparsames Fruehstueck heute morgen ... Wir sitzen brav um 07.20 am Tisch ... und nichts ist - die Bedienung schaut Fernsehen! Erst als Xiang kommt und ein paar passende Worte sagt, rollt es an: geschmacklose Reissuppe. geschmacklose Hefeknoedel, Erdnuesse und Ruehrei - man kann doch nicht immerzu Eier essen!!!

Draussen regnet es zwar nicht, aber die Wolken haengen tief. Wir schauen uns in der Hotelhalle das grosse Gemaelde mit dem grandiosen Bergpanorama des 'Xue Meili Shan' an, ein hiliger Berg der ueber 6.000 m hoch ist - man gut - wir werden ihn in Natura nicht zu Gesicht bekommen. Nun verteilen wir uns auf die 3 Landcruiser, ausser den Fahrern 2 x 4 und 1 x 3 Gaeste. Ich darf vorne sitzen!. Deqen ist eine Stadt am Hang (so aehnlich wie Zhangmu kurz vor Nepal) - sie klebt auf etwa 3.000 m Hoehe an einer Bergflanke. Feine Asphaltstrasse (noch), wenn die Wolken es zulassen, haben wir einen tiefen Blick ins Tal. Dann beginnt der Abstieg, Serpentine um Serpentine geht es ueber 1.000 m runter zum Fluss Lancang (Mekong), dem wir dann lange folgen. Das Wetter wird besser, die Strasse schlechter, Schotter! Und siehe da, im ersten kleinen Dorf: Reifenpanne  :-))

Wir nutzen die Gelegenheit und fotografieren alles! Interessant sind die Stupas am Ortseingang, es sind geschnitzte Holzpfaehle, geschmueclt mit Gebetsfahnen. Xiang erklaert uns, das das viele kleine Doerfer aus kostengruenden so machen, eine richtige grosse Stupa ist halt teuer! So, wir haben jetzt in 2,5 Stunden 60 km geschafft - unser Tagesziel ist Markham, das waeren dann noch 160 km .... Die Fahrer, die ja gestern die Strecke gefahren sind um uns abzuholen haben fuer die 223 km Markham-Deqen reichlich 10 Stunden gebraucht, ohne Foto-Stops etc!

Wir erfreuen uns erst einmal an den Felshaengen - wunderbar das Farbenspiel: das Gestein leuchtet in lila, braun, rot, gelb, ocker, blau, gruenlich ... An den unglaublichsten Stellen im Hang oder auf Felsspornen befinden sich Terassenfelder, und dazwischen immer wieder Gehoefte oder sogar kleine Siedlungen. Gegen 12.30 h passieren wir die Grenze zwischen Yunnan und Tibet - ein kleiner Triumpfbogen, beschriftet in chinesisch und tibetisch ueberspannt die Strasse. Wir trauen unseren Augen kaum, 2 Radfahrer radeln durch den Matsch. Ich mache ein Foto, sie steigen ab ... aha, das maedel ist aus Frankreich und ihr Begleiter kommt aus Kanada. Sie schaffen an schlechten Tagen 50 km und an guten 100 km - vor 3 Monaten sind sie in Bangkok gestartet und wollen jetzt ueber Lhasa in die Mongolei - na dann man tau!!

Weiter gehts, aber nicht lange - nach etwa 2 km ist Schluss! Wieder mal kontrollierter Steinschlag - 'Stein' ist etwas untertrieben, auf der Strasse tuermen sich Riesentruemmer!!!! Da hilft auch eine kleine Planierraupe nicht weiter ... Froehlich winkend radeln die 2 an uns vorbei - schultern an der Blockade zuerst die Raeder und klettern drueber hinweg, kommen nochmal zurueck und holen die Ausruestung! Die Bauarbeiter bringen uns und unsere Landcruiser in eine andere Position, sie laden grade altersschwache Pressluft-Flaschen auf ein altersschwaches Fahrzeug und muessen damit an uns vorbei. Jetzt tritt 'Presslufthammer-B B Bernhardt' in Aktion ... aber es tut sich nicht wirklich was ... Ok, dann werden andere Massnahmen ergriffen, wir muessen noch ein Stueck zurueck, gar nicht so einfach, denn hinter uns staut es sich jetzt richtig. Nun wird gesprengt ...  uuund ACTION !!!

Alle schauen besorgt den Hang hoch, die Druckwelle war heftig! Hoffentlich kommt da jetzt nicht noch mehr runter. Alle waren beeindruckt, nur der Felsklotz nicht - also - nochmal ...  uuund ACTION !!! Endlich zerfaellt der Truemmer. Jetzt geht es ganz schnell - und man winkt uns nach kurzer Zeit durch - aber ganz wohl ist weder uns noch den Bauarbeiten, die immer wieder mit duesteren Blicken den Hang hochschauen. Gegen 16.00 h trudeln wir im naechsten Ort Yanjing - ein: Mittagspause. Es steht fest, dass wir heute nicht nach Markham weiterfahren koennen, das sind noch mindestens 6 Stunden und die Strecke kann unmoeglich im dunklen befahren werden.

Der Chef kocht selbst! Wir platzen mit 14 Leuten (Gruppe, Guide & Fahrer) in eine kleine Kneipe hinein, ein paar Stammgaeste nehmen recht schnell reissaus. Die winzige Kueche laeuft zu Hochform auf, Kueche ist fast uebertrieben: Kuehlschrank, Tisch, ein Holzfeuer-Herd auf dem ein maechtiger Wok mit einer ansehnlichen Pfuetze Fett geschwenkt wird. Der Hausherr hackt, schnetzelt, brutzelt - das alles in windeseile, sein kleiner Enkel wuselt dazwischen rum und entertaint die Langnasen .... Es dauert keine 1/2 Stunde und uns werden 6 Gerichte plus Reis plus Suppe serviert - gegen 17.15 h verlassen wir pappsatt das gastliche Haus. Draussen warten schon die Stammgaeste um es sich drinnen wieder bei Bier und Gespraechen gemuetlich zu machen.

Wir durchqueren den Ort, ich kann mich an den Gesichtern der Tibeter nicht satt sehen. Xiang tut sein Bestes - aber alle Herbergen sind voll - unsere Reservierung war ja auch fuer Markham! Dann bekommt er den entscheidenden Tipp: in einem Ortsteil ein paar Kilometer weiter, bei den heissen Quellen - dort sollen wir es nochmal probieren. Also mal eben am Berg ein paar hundert Meter hochgeschraubt, an der Katholischen Kirche vorbei (die sollten wir eigentlich besichtigen!), einige Kilometer am Hang entlang und dann wieder runter zum Fluss - richtig, dort ist ein neu aus dem Boden gestampfter Ort. Wir werden ueberholt von 2 Moenchen auf einem Moped, einer mit passend rotem Cowboyhut, der andere mit Handy am Ohr - jawohl, auch hier geht man mit der Zeit! Zwei unserer Fahrer diskutieren lauthals, welcher Weg der richtige ist (sie waren also noch nicht oft hier, sie stammen alle aus Lhasa - 1.300 km entfernt) - aber schliesslich finden wir es. Wir waren auf eine etwas schmuddelige, kleine Herberge gefasst - und landen im Erholungsheim von 'China Telecom' - eine riesige Anlage, vielleicht 8 Jahre alt, seit einiger Zeit allerdings nicht mehr genutzt. Unsere Fahrer sind blitzschnell verschwunden - nach kurzer Zeit plantschen sie begeistert im Swimmingpool mit dem Wasser aus den heissen Quellen.

Die Anlage ist staatlich, darum ist ueberhaupt personla da - aber die Kueche ist nicht gut bestueckt. Gut, dass wir so spaet Mittag gegessen haben. Wir bestellen Bier und bekommen dazu Schnapsglaeser .. Die Essensvorraete beschraenken sich auf Erdnuesss. Guenter und ich kloenen und stellen nach einer Weile fest, dass wir gemeinsame Bekannte haben: die Moenichs! Die haben vor 6 Jahren zusammen eine Djoser-Reise Tibet - Nepal gemacht ... wie klein doch die Welt ist !!!oogholzberga t

5.8.07 14:57, kommentieren

Yanjing - Markham - Zuogang 261 km

Ueber den Wolken ...

Nachdem wir uns auf den Weg machen, mal eben die Kehren wieder hoch und um eine Felsnase - prangt vor uns eine riesige Bruecke, nicht ueber das Tal, sondern nur ueber einen Bach, der von oben kommt! Gleich dahinter ein Tunnel - die legen jetzt aber richtig los mit Strassenbau... Das wars dann aber auch schon, wir quaelen uns durch den Matsch, noch sind wir in den Wolken, tief unter uns der Mekong, und wir fahre Kehre um Kehre nach oben. Dann ueberholen wir unser Radfahrer-Paerchen von gestern - sie waren schon ganz frueh gestartet.

Am Strassenrand, immer zwischen uns und dem Abgrund die Zelte oder Wellblech-Bretterverschlaege der Bauarbeiter. Es sind auch Frauen dabei, meistens zum Waschen, Kochen usw - aber wir sehen sie auch beim Steine schleppen. Es ist ein guter Pilz-Jahrgang, ueberall werden sie aufgeschnitten und aufgefaedelt, die Straenge haengen ueberall zum Trocknen. 

Harmonie-Pause auf 3.000 m Hoehe - grandiose Landschaft - zum Niederknieen schoen!! Wir biegen jetzt ab in ein Hochtal - ganz oben prangen Siedlungen am Hang. Viele Kehren weiter liegen diese Siedlungen weit unter uns. Wir rumpeln ueber unebenes Gelaende - also so etwas Strasse zu nennen! Die Baustellen sind die reinsten Matsch-Stellen ..... Dreck, Schmutz, Schlamm, Pfuetzen gross wie Teiche ... wir fahren hoch und hoeher. Kurz vor der Passhoehe, auf 3.850 m eine richtige kleine Westerntown, Blockhaeuser aus klobigen Staemmen, davor kernige Typen - ueberhaupt - die Maenner hier finde ich recht attraktiv  :-))  Die Tibeter von Stamm der Khampa hier aus der Gegend habe sich in ihre schwarzen Haare so fesche rote Fadenstraenge gebunden ...

Wir haben alle die Hoffnung, das die Strasse nach der Passhoehe besser wird ... sie wird noch viel schlechter (ich ahnte gar nicht, das das moeglich ist!!!) - hier geht es nicht wieder so tief runter, wir bleiben in einem weiten fruchtbaren Hochtal mit Gersten-, Raps-, und Kartoffelfeldern, dazwischen viele kleine Siedlungen. Wie in Seife fahren wir hier im Matsch - da kommt uns doch ein Radfahrer entgegen! Er hat 25 Tag von Lhasa bis hier gebraucht! Jetzt ist mal eben die Strasse weggeschaemmt - wir muessen durch eine Furt - da weis man doch den Vierradantrieb zu schaetzen. Mal heisst es warten, weil die Strassenbauer am werkeln sind ... uns steht die Fahrerei bis Oberkannte Unterlippe!!!! Es ist 14.30 h und wir kommen wirklich in Markham (unserem gestrigen Tagesziel) an:  fuer 111 km haben wir 6 Stunden gebraucht!!! Und bis Lhasa sind es noch 1.200 km ..... 

Kommentar in unserem Auto: 'Wer ist blos auf die dumme Idee mit dieser Reiser gekommen???'

Beim Mittagessen ist unsere Stimmung auf dem Tiefpunkt, wie sollen wir denn blos die naechsten 158 km schaffen - heute noch? Xiang beruhigt uns: ab jetzt nur noch gute Strassen - naja, fast. Auf der Strasse vor dem Lokal tummeln sich Yaks und fesche Khampa-Cowboys mit den praechtigen roten Schnueren im Haar  - da muss ich doch gleich mal ein Foto machen. Die lachen sich schlapp, ich auch, bis mir einer meine Kamera wegnimmt - aehhh ... Er will ein Foto von mir und seinem Yak machen, Ich zeige ihm, wo er draufdruecken soll - und es ist NICHT verwackelt, wie ich spaeter erfreut zuhause feststelle :-))

15.45 h und es geht weiter - das Wetter ist wunderbar, die Landschaft grandios - wir sausen dahin, mit uns 3 - nein 7 - nein 12 Radfahrer ... wir hoeren jetzt auf, Radfaherer zu zaehlen, es schein bei den Chinesen IN zu sein im Urlaub strampelnd den Himalaya zu ueberqueren - die Fahrer haben ihre liebe Muehe damit, keinen auf die Hoerner zu bekommen beim runterfahren von den Passhoehen ...

Vor uns biegen 2 Nomaden auf dem Moped von der Strasse ab und duesen querwieseein zu ihrer Herde, bald passieren wir Felder, auf den mit Yaks in 2 Doppelgespannen gepfluegt wird, Kinder winken, die Leute vom Feld winken. Eine hinreissende Stimmung - alle Muehe und Unbill sind vergessen. Die Haeuser hier sind stattlich und sehr gepflegt, frisch geweisst und huebsch bunt verziert. Auf den Strassen tummeln sich schwarze Schweine und grosse Hunde. Und wir - wir sausen mit unglaublichen 50 Std/km durch die Lande!

Uns kommt eine Polizei-Eskorte entgegen - aha - Politiker oder Beamte unterwegs!!! Im Tal (ist es der Mekong???) ist eine Kontroll-Station - und - 3 LKW sind haushoch mit Fahrraedern beladen (ach soo machen sie das: den Pass hoch transportieren und dann nur noch hinabsausen ... das gildet aber nicht!). Jetzt kommt der DOPPELPASS - fuer mich sind die kommenden 3 Stunden Fahrt hoch zum 4.200 m hohen ... Pass und gleich weiter  zum 5.100 m hohen ... Pass DAS landschaftliche Highlight der ganzen Tour - schwer in Worte zu fassen, es geht in unendlichen Serpentinen hoch und immer hoeher - die Blicke nach unten, die aufregende schmale Strasse, ach - genauso habe ich mir meinen Urlaub vorgestellt! 

Die Landschaft: grossartig, gigantisch, grandios - atemberaubend und zum niederknieen schoen ... Die Strassen: ein schlechter deutscher Feldweg, etwa 3 m (manchmal auch 5 m) breit - das Ganze dann 2.000 m hoch am Hang - von oben rieselt es und nach unten broeckelt es - ich bin immer noch ganz blass um die Nase und alle paar Stunden sieht es voellig anders aus!!!

Auf dem 1. Pass - wie immer - Manisteine und Gebetsfahnen, tolle Blicke in alle Richtungen - weiter geht es kaum runter, mehr seitlich am Hang entlang. Bei einem kleinen Posten werden wir gestoppt, ein Radfahrer hat den Anschluss an seine Gruppe verloren, wir sollen ihn doch bitte mitnehme! Na gut, ein Platz ist ja noch frei - und wo mal ein Ersatzreifen hing, wird jetzt das Fahrrad angeknuepft. Die naechste Passstrasse ist das voellige Gegenteil, ein sanft geschwungenees Hochtal mit Yakherden und Nomadenzelten, Mild scheint die Abendsonne auf die Felsen, nur 4 oder 5 Serpentinen und schon sind wir auf 5.199 m!!! Von hier ist es dann nicht mehr weit nach Zuogang - wir merken es am Asphalt, der bald beginnt - und unser Radfahrer findet auch wieder Anschluss an seine Gruppe!

5.8.07 15:01, kommentieren

Zuogang - Rawok 288 km

Wir lieben chinesisches Fruehstueck!!! Labbriger gruener Tee, labbrige Hefeknoedel, fetttriefende Gurkenstueckchen, hoellisch Scharfe Tofupaste, Erdnuesse und: Spiegeleier ....  aber man kann dich nicht jeden morgen 2 Spiegeleier essen!!! Ok, die Nudelsuppe - lange Nudeln - langes Leben, das Ganze mit Staebchen - man schlägt sich so durch. Der einzige Lichtblick sind die nescafe Tuetchen, die Xiang in weiser vorraussicht in Deqen im Supermarkt fuer uns erstanden hat! Schon gesusst und mit etwas Milchpulver ... ich wuerde ja zuhause keinen Nescafe anruehren - aber hier ist es eine echte Delikatesse!!!

Los gehts, die weiss gekalkten Doerfer schimmern in der Morgensonne, auf den Wiesen und Feldern liegt noch Tau - es ist alles sooo friedlich. Wir holpern von Matschpfuetze zu Matschpfuetze - aber: die Sonne scheint, der Himmel ist blitzeblau. Wir biegen ab - neiiiin, so etwas - nach kurzer Zeit beginnt eine Asphaltstrecke - wir wussten schon gar nicht mehr, wie sich so etwas anfuehlt !! Der nächste Ort heisst Banda und hat einen beruehmten Tschörten. Zweit alte Frauen umwandeln ihn unermuedlich mit kreisenden Gebetsmuehlen. Sie murmeln dabei immerzu: Om Mani padme hum (OH, du Juwel in der Lotusbluete!) und unsere Kameras laufen zu Hochform auf.

Jetzt wenden wir uns gen Sueden und fahren durch ein langgezogenes,sanft geschwungenes Tal. Am Talende beginnen die Serpentinen zum 4.000 m hohen Gela Pass, die Blicke zurueck sind wunderbar. Unser Landcruiser schwaechelt! Wir bleiben zurueck, der Fahrer macht die Motorhaube auf und fummelt rum. Dann geht es erst einmal langsam weiter. Da Zuogang recht hoch liegt, dauert der Anstieg nicht so lange, aaaaber dann .... Nachdem wir den atemberaubenden Blick in alle Richtungen von der Passhoehe aus genossen haben geht es in 180 Kehren ueber 3.000 m abwaerts zum Salween!!! Die Strasse fuehrt in einem spektakulaeren Feldtal oberhalb des Flusses entlang, ueber eine Bruecke, zu der man nur durch einen Tunnel gelangt (von Militaet bewacht) und dann auf der gegenueberliegenden Seite weiter, wieder in den Fels gesprengt. Es gesellt sich ein tosendes Wildwasser als Nebenfluss dazu, wir folgen diesem Wildwasser. Die Felsenwaende gehen in broeseliges, poroeses Gestein ueber und ..... Bingo !! Richtig !!! der Kandidat hat 20 Punkte: ein Erdrutsch voraus  :-))

Das Positive daran - die kleine gelbe Planierraupe ist bereits am Schieben - nach etwa 20 Minuten geht es schon weiter.  Kaum verspaetet kommen wir in Baixi zur Mittagspause an. Wie immer: runder Tisch, Glasdrehscheibe, 8 - 10 Gerichte, Reis, Suppe ... und unermuetlich wird gruener Tee nachgeschenkt, so der 3. oder 4. Aufguss!

Weiter gehts, mit den anderen beiden - unser Landcruiser schwaechelt immer mehr! Die anderen sind schon laengst in Rawok (nur noch 90 Minuten Fahrt) als wir dann auch endlich ankommen. Das Motel liegt direkt am wunderschoenen Bergsee. Im Innenhof die Autos, 3 langgezogene 'Bungalows', schoen mit tibetisch geschnitzten und bemalten Giebeln. Vor jeder Tuer ein Vorhang mit tibetischen Zeichen - also ganz im traditionellen Stil. Qualitaet von Zimmer und Bad - nunja, es geht. Einige Unermuedliche gehen in den nahen Ort, ich flaetze mich erst mal aufs Bett. Dann packe ich mal wieder um.

Nach dem Abendessen locke ich Antia zu mir ins Zimmer, ich hattte beim Umpacken ein paar Cappucino-Tuetchen entdeckt. Da im Zimmer Thermoskannen mit Kai Shui - heissem Wasser stehen (wie es sich fuer China gehoert) - machen wir es uns gemuetlich und kloenen eine Weile von Frau zu Frau.

 

 

 

5.8.07 15:02, kommentieren

Rawok - Bomi 135 km

Zwangsumsiedlung - ein tibetanisches Schicksal! Ich muss den Landcruiser wechseln! Ich sass bis gestern in der aeltesten Landcruiser, zusammen mit Marlise, Berndt und Dieter - der Wagen hat in den letzten Tagen arg geschwaechelt .. was hoffentlich nicht an mir lag  :-)  Xiang steigt um zu Anita, Franz und Frank und ich komme zu Herta, Dietmar und Guenter. Damit sitze ich im neuesten Fahrzeug (nur 400.000 km gelaufen bis jetzt) und im aeltesten sind neben dem Fahrer nur noch 3 Gaeste - ok, wenn es dann hilft!

Das Wetter ist heute traumhaft schoen, sehr klar, blauer Himmel, Sonnenschein .... Schon nach dem Aufstehen, der Rawok-See war wunderbar, ganz ruhig, die Berkulisse spiegelt sich! Dann beim Fruehstueck die Überrraschung: Dieter war gestern abend im Supermarkt und es gibt fuer jeden einen kleinen abgepackten Kuchen - ach ist DAS LECKER !!!  Bravo !!!!

Wir beginnen die Tour in Rawok-City, kleine Einkaeufe fuers Picknick heute mittag: Kekse, Bananen, Wuerstchen usw. Die Strasse folgt erst dem See und dann einem schaeumenden Wildwasser. Die Landschaft ist völlig anders als gestern! Kein Asphalt, im Moment - dafuer riesige Staub-Schwaden vom Fahrzeug vor uns und von den entgegenkommenden sowieso  :-((

Sind wir hier in Tirol oder in Graubuenden? Die Landschaft wirkt sehr alpin, nur sind wir hier gut 2.000 m hoeher als dort in der entsprechenden Zone! Tannen, Wiesen voller Wildblumen, wir biegen von der Hauptstrasse ab, bezahlen Eintritt und folgen einem Seitental bis zum unglaublich schoenen Mitui-Gletscher! Selbst die Weiler hier sind aus Holz mit schindelgedeckten Daechern auf den dicke Steine liegen .... Der Berg zum Gletscher ist stolze 6.950 m hoch!!! Am Talende werden die Lunch-Einkaeufe ausgeteilt, jeder muss etwas tragen - ich bekomme 2 Keks-Packungen. es ist 10.00 h und die Wanderung beginnt. Wir kraxeln ueber einen Zaun und stapfen durch ein kleines Dorf (4 Haeuser), dann kommen wir zu einem kleinen Heiligtum mit vielen Mani-Steinen und Gebetsfahnen, 2 Widderkoepfe sind auf einBrett genagelt, der Weg fuerht ueber eine Blumenwiese und steigt dann merklich an ... ich komme arg ins Schnaufen, die Höhe !! Ok, war ein Versuch ... Ich breche ab, sage Bescheid und mache mich auf den Rueckweg.

Zuerst inspiziere und fotografiere ich das Heiligtum in aller Ruhe (im Uhrzeigersinn natuerlich!) - dann lasse ich mich in der Naehe auf einem Stein nieder, wechsele den Film, geniesse die Sonne, bin Fotomotiv fuer eine chinisische Wandergruppe, hoere den Voegeln beim singen zu .... Dann hole ich ein Pakat Kekse und das Wasser raus und schon bin ich umringt von 3 interessiert schnuppernden, schwanzwedelnden Dorfhunden! Ok, ich bin ja gar nicht so - das Paket Kekse ist im Nu leer! Ich gehe weiter, zurueck ins Dorf und schaue einer alten Dame beim Getreideernten mit einer Sichel zu. Sie sieht mich - und schon habe ich eine Einladung bei ihr zuhause zum Tee!!! Yakbutter-Tee, nicht ranzig und ungesalzen. Er schmeckt ganz gut, aber beim 2. Becher passe ich dann doch. Ich lege die 2. Kekspackung als Gastgeschenk hin, ihr kleiner Enkelsohn ist davon sehr angetan. Er traegt diese entzueckenden 'Schnellschuss-Hosen', wenn er sich bueckt, blitzt sein kleines Hinterheil hervor! Die Oma freut sich, als ich das fotografiere, sie kneift mir froehlich in Oberarm und Oberschenkel ... und dann kichern wir eine Weile.

Als ich weitergehe hoere ich nach kurzer Zeit ein froehliches: Hallo Christiane! - da sitzt der Guenter unter einem Baum und macht ein Picknick, er hatte eine Weile nach mir den Rueckweg angetreten. Wir kloenen und futtern unsere Restbestaende auf,und als die uns umringenden Kinder zu intensiv Kontakt aufnehmen, beginnen wir einen Spaziergang im Tal. Nach einer Weile kommen die Ersten der Wandergruppe zurueck, ein anderer Teil wird auch zum Tee bei der alten Dame geladen, alle sind gluecklich ueber die schoene Wanderung und gegen 15.00 h geht es weiter Richtung Bomi.

Klare Sicht, wunderbare Berg-Panoramen .... Wir stoppen kurz an einer Polizeikontrolle. Unser Auto ist das letzte und wir wundern uns noch ueber eine herrenlose Tasche, die auf dem Tisch neben der Kontroollstation steht ... Nach etwa 30 Minuten herrlicher Fahrt durch die Landschaft haelt der Landcruiser vor uns - und wendet ... aha, es WAR die Tasche des Fahrers! Wir fahren gemuetlich weiter und machen ein paar Fotostops = Harmoniepausen, viele Kilometer weiter klingelt das Handy unseres Fahrers, jetzt wenden wir ?!? Heute ist NICHT der Tag von Fahrer Nr. 2!!! Die Tasche hat er wieder, aber er hatte zuwenig getankt, jetzt ist er ohne Benzin /Diesel liegengeblieben - wir muessen abschleppen. Wie gut, dass es nur ca. 1 km bis zur naechsten - lustig mit Gebetsfahnen und Wimpeln geschmueckten - Tanke sind, das haetten hier auch leicht mal 50 oder 60 km sein koennen. Landcruiser Nr. 1 - der sonst immer geschwaechelt hat, ist derweil weit voraus gesaust und wundert sich, das niemand folgt ... Gut, das es Handys gibt!

Nur noch eine kurze Fahrstrecke durch diese grandiose Berglandschaft, ich denke ein paar mal an die Gegend des Fitzroy in Chile/Argentinien, und schon sind wir im Bomi, eine richtige kleine 'Grossstadt' mit allen Einkauftmoeglichkeiten, Internetcafe usw. Wir wohnen in einem huebschen Hotel im 'Motel-Stil' mit einem Restaurant-Pavillon im Hof.

5.8.07 15:04, kommentieren

Bomi - Bayi 204 km

Der Tag beginnt unschoen - die Polizei kommt ins Hotel! Guenter ist beklaut worden - sein Fotoapparat und etwa 500 Euro! Bei Frank und Dieter haben sie versucht, nachts durchs Fenster ins Zimmer einzusteigen - aber Frank hat es gemerkt und sie verscheucht, bei Bernd und Marlies konnten sie nicht durch die Tuer, weil der Riegel umgeklappt war!!! Wie schade, wir hatten und in diesem Hotel recht wohl gefuehlt ... Und auch das Restaurant war gut.

Die Fahrt war dann ganz wunderbar, auf 90 km ging es ueber 1.000 Hoehenmeter bergab (von ca. 3.200 auf 2.100 m an der Brueck am Zusammenfluss der beiden Tsangpos). Die Landschaft aenderte sich von Graubuenden oder Tirol in subtropisch wie am Abhang der Anden zum Amazonas, einmal habe ich fast geglaubt, Macchu Picchu liegt auf dem naechsten Berg :-))  An vielen Baeumen haengen Flechten, das muss bei Nebel sehr mystisch aussehen.

Die Strasse ist manchmal wie eine gute deutsche Lansstrasse, manchmal wie ein Feldweg - und manchmal noch unsaeglich schlechter... Ein normaler PKW haette an manchen Stellen: Erdrutsch, Steinlawinen, tiefe Furt durch reissendes Wasser etc, echte Probleme!

Wir haben jetzt die mit 2.100 m tiefste Stelle erreicht, von hieran gehts bergan. Ausserdem gibt es ab jetzt nur noch Asphaalt - meint Xiang. Leider haengen die Wolken tief heute, irgendwo hier koennte man mehrere 7.000 m Schneeberge sehen ... schaaade. Diese ist eines der tiefsten Taeler der Erde: 5.000 m von Talgrund gemessen. Unsere Fahrer muessen wie immer gut aufpassen, hinter jeder Kurve koennte ein Yak oder Ferkel oder Radfahrer auf der Stasse stehen.

Um 14.00h erreichen wir den kleinen Ort Lulang, die Spezialitaet hier: Huehnersuppe aus dem Steintopf (echt aus einem Steinblock geschnitten). Der Topf steht auf dem Tisch und wird mit Gas am koecheln gehalten. Huehnersuppe heisst Huehnersuppe, nicht nur die kompletten Knochen - NEIN - auch die Fuesse und der Kopf mit Kamm.... Die mehrfach eingekochte Bruehe schmeckt gar koestlich, aber manchem von uns ist der Appetit vergangen :-))

Am Abend kommen wir in Bayi an, einer modernen chinesischen Stadt komplett aus dem Boden gestampft. Bayi heisst "1. August" - der Tag des Militaers. Bis hier sind wir mit den Landcruisern genau 1.000 km gefahren! Die groesste Ueberraschung: unser Hotel - ein superkluxus Kasten mit mehreren hundert Zimmern in 5 Komplexen. Tiefer Teppichboden, flauschige Frotteehandtuecher - und das luxurioeseste Bad seit vielen vielen Tagen!

Wir machen noch einen Abendspaziergang und landen in einem sehr guten, tibetischen Restaurant. Sehr schoene Dekoration, weiche Sofas mit Teppichen belegt, grosse Puppen mit Trachten, gutes Essen - die Bestellprozedur war heftig, da es keine englische Speisekarte gab.... Und - die Bedienung hat fuer jeden gesungen - sehr hoch, sehr fremdartig - aber ein schoenes Erlebnis. Wir waren sehr guter Dinge! Auf dem Heimweg zum Hotel hat Xiang mir noch bei der Auswahl von CDs mit Folkmusik geholfen.

 

5.8.07 15:07, kommentieren

Bayi - Lhasa 400 km !!!

Heute ein Weckruf um 06.30 h - 07.00 h Fruehstueck  ... sollte in so einem tollen Hotel eigentlich gut sein .... naja - sehr chinesisch! Sogar der Orangensaft ist mit kochendem Wasser verlaengert! Am besten schmecken die mit Fleisch gefuellten Momos (Teigtaschen). Um 07.30 h geht es los - zu den 400 km bis Lhasa kommt noch ein Abstecher von ueber 100 km - wir besuchen "Basomtso Nationalpark" - ein idyllischer See mit einer kleinen Insel,  darauf ein kleines, sehr altes Kloster, das die "roten Garden" waehrend der Kultur-Revolution uebersehen hatten - es lag zu weit abseits. Alle Chinesen sind schon da, es ist Urlaubszeit. Da heute Sonntag ist, machen auch viele Tibeter in Tracht einen Ausflug! Vom Parkplatz geht es viele Stufen abwaerts und dann ueber eine Ponton-Bruecke auf die Insel. Das Kloster besteht im wesentlichen aus einem Raum, vor dem Betreten muessen blaue Plastik Ueberzieher ueber die Schuhe! Wir bewundern die alten Wandmalereien und die Statuen von Songkhapa, Buddha Maitreya, Avalokiteshwara .... und wie sie alle heissen. Wie es sich gehoert - im Uhrzeigersinn - geht es ueber die Insel und ueber eine 2. Pontonbruecke wieder zurueck. Die energiegeladenen unserer Gruppe (die Meisten!) klettern noch auf eine Plattform im Wald hoch und haben dann einen schoenen Ausblick auf den See und die Insel. Auf der Rueckfahrt zur Hauptstrasse erfreuen wir uns an unzaehligen schwarzen Schweinchen. Sie haben wohl alle gerade Junge - Ferkel in allen Groessen von winzig bis halbstark - sie laufen am liebsten gerade och vor den Autos ueber die Strasse!!

Das Wetter ist heute nicht so pralle, die Wolken haengen tief...  Wir fahren, und fahren, und fahren ... etwa 250 km und 1.900 Hoehenmeter folgen wir heute dem Fluss Nyang Chu.  Mittagspause ist in einem kleien Ort - eine lange Strasse - und jedes Haus ein Restaurant!. Ich vertilge meine letzten Kaeseecken mit Knaeckebrot und kaufe mir dazu einen Pfirsich und eine Birne - irgendwie muss "chinesisch" heute nicht sein! Das Positive am Fahren heute:  fast die ganze Strecke ist Asphalt und recht gut! Ich habe Kopfschmerzen, das 1. Mal auf der Reise (spaeter erfahre ich, den meisten Anderen unserer Gruppe geht es heute auch icht so pralle) - die Ladschaft ist mir wurscht ... ich habe mich die letzten Tage satt gesehen!

Wir schrauben uns langsam hoch zum 5.000 m hohen Pass Mi La. In dem breiten sanften Flusstal sind viele schwarze Nomadenzelte. Die Yak- und Ziegenherden grasen an den Haengen. Das breite Stahlgeruest auf der Passhoehe ist kaum zu sehen, es ist geschmueckt mit tausenden bunten aneinandergebundenen Gebetsfaehnchen. Einige PKW reissen auf der Passhoehe die Wagentuer auf und scheissen einen dicken Stapel bunte bedrueckte Zettel im Winder verwehen - auch eine Form zu beten...  

Auf der anderen Seite ist es viel karger und trockener, Braun- und Gelbtoene beherrschen die Landschaft.  Auch die Architektur der haeuser hat sich voellig gewandelt.  Wir kommen an einem Polizeiposten vorbei und die Fahrer bekommen einen Beleg. Viele Kilometer spaeter wundern wir uns, warum sie so langsam fahren .... hier gildet 60 km/Std auf gerader Strecke und 30 km/Std in Kurven - aber daran haelt sich niemand! Tja, auf diesem Zettel steht eine Zeit - und kurz vor Lhasa ist der naechste Posten ... wer zu frueh da ist, bekommt ein Knoellchen!!! Wir fahren an Folientreibhaeusern und Gemuesefeldern vorbei .. da, dort ... Guenter hat in der Ferne den Potala erspaeht, endlich, um 20.30 h sind wir in Lhasa angekommen.

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